Darmkrebs ist eine der tödlichen Krankheiten, die durch Vorsorge häufig rechtzeitig behandelt oder gar vermieden werden können. Dennoch nehmen längst nicht alle Menschen, die einen Anspruch darauf haben, die entsprechenden Möglichkeiten wahr. Insbesondere die Darmspiegelung gehört wahrscheinlich zu den unbeliebtesten Vorsorgemaßnahmen im gesamten Gesundheitswesen – aber eben auch zu den effektivsten. Andere Maßnahmen bieten dagegen deutlich weniger Sicherheit bei der Erkennung von Darmkrebs.

Stuhltest ist weniger zuverlässig

Bereits ab dem 50. Lebensjahr bieten Krankenkassen einen Stuhltest auf verborgenes Blut an. Leider ist die Aussagekraft dieser Tests eingeschränkt: Wenn ein Polyp – also eine Wucherung, aus der sich Darmkrebs entwickeln kann – kein Blut abgibt, dann ist der Test negativ. Das heißt, der Patient wiegt sich in falscher Sicherheit.

Hinzu kommen verschiedene Störfaktoren, die das Ergebnis verfälschen können. Manches Gemüse, zum Beispiel Blumenkohl und Rettich, sowie rohes Fleisch können zu einem falschen positiven Befund führen. Das Gleiche gilt für Mikroblutungen nach der Einnahme von bestimmten Schmerzmitteln und für Hämorrhoiden. Daher wird empfohlen, drei bis sieben Tage vor der Untersuchung keine Speisen mit nennenswerten Mengen von tierischem Blut oder mit den anderen genannten Lebensmitteln zu sich zu nehmen.

Schlimmer ist jedoch der gegenteilige Effekt, der ebenfalls vorkommt: Vitamin C blockiert in hohen Dosen die Freisetzung der Substanzen, die im Falle eines Tumors durch den Test gemessen werden sollen. Dann ist das Testergebnis negativ, genauer gesagt falsch negativ, obwohl eine Erkrankung vorliegt.

Darmspiegelung ab 55 Jahren dringend empfohlen

Seit 2002 steht allen gesetzlich Versicherten ab 55 Jahren die Vorsorgekoloskopie (Darmspiegelung) zu. Wer sie wahrnimmt, nimmt automatisch nicht mehr an den Stuhltests teil.

Bei der Koloskopie wird nicht nur nachgesehen, ob Auffälligkeiten erkennbar sind, sondern einige Probleme können auch gleich behoben werden. Darmkrebs entwickelt sich nämlich aus sogenannten Adenomen, die je nach Typ ungefähr 7 bis 15 Jahre benötigen, bis es zur Erkrankung kommt. Wenn die entsprechenden Vorstufen konsequent entfernt werden, kann der bösartige Tumor also gar nicht erst entstehen.
 
Standardmäßig erfolgt eine Kontrolle nach 10 Jahren. Wenn allerdings Polypen entdeckt und abgetragen wurden, ist früher eine Kontrolle angeraten. Das entsprechende Intervall wird nach der mikroskopischen Untersuchung festgelegt und mit Ihnen besprochen.

Und dann gibt es noch den Sonderfall, dass Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben – aufgrund zum Beispiel einer familiären Belastung – schon früher als mit 55 Jahren zur ersten Untersuchung aufgefordert werden und diese auch bereits nach 5 Jahren wiederholen lassen sollten, um vorzeitig ein Auftreten von Polypen ausschließen zu können.
 
180.000 Darmkrebsfälle in zehn Jahren verhindert

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 60.000 Menschen an Darmkrebs, über 25.000 Menschen sterben daran. Ab dem 50. Lebensjahr häufen sich die Fälle deutlich – bei Männern um 50 Prozent mehr als bei Frauen. Dennoch wird die Vorsorgekoloskopie recht wenig wahrgenommen. Seit 2002 haben sich nur rund 20 Prozent aller Berechtigten untersuchen lassen.

Bei 1,3 Prozent der untersuchten Männer und bei 0,7 Prozent der Frauen wurde bereits ein Krebsgeschwulst nachgewiesen. Ebenfalls wichtig: Bei 8,6 Prozent der Männer und bei 4,9 Prozent der Frauen wurde ein fortgeschrittenes Adenom entdeckt, also die potenzielle Vorstufe eines bösartigen Tumors. Das bedeutet, hier konnte die Vorsorge tatsächlich einer Krebserkrankung vorbeugen.

Auf der Basis von Modellrechnungen geht man davon aus, dass durch die Entfernung von Adenomen alleine in den letzten 10 Jahren rund 180.000 Darmkrebsfälle verhindert wurden. Weitere 40.000 Darmkrebsfälle wurden in einem frühen heilbaren Stadium entdeckt.

Sinnvoll wäre also eine höhere Beteiligung an der Vorsorgedarmspiegelung. Wir sprechen Sie daher gezielt an, zum Beispiel im Rahmen des Gesundheitschecks.
 
Komplikationen nur in wenigen Fällen

Oft äußern Patienten die Sorge, dass die Untersuchung mit Komplikationen verbunden sein könnte. Tatsächlich kann es beim Abtragen von Polypen zu einer Blutung oder Verletzung des Darms kommen. Die Rate für Blutungen liegt bei rund 2 Prozent aller Untersuchungen, wobei schwere Komplikationen selten sind (0,6 Prozent). Von einer Spiegelung sollte sich dadurch (fast) niemand abhalten lassen.

Auch wird häufig gefragt, ob es nicht reiche, den Stuhltest durchführen zu lassen – möglicherweise auch einen der neueren hochsensitiven Tests. Was jedoch eindeutig für die Spiegelung spricht ist der Umstand, dass entdeckte Polypen direkt entfernt werden können und eine deutlich höhere Schutzwirkung erreicht wird.