Noch vor wenigen Jahren riet man Krebspatienten, sich während und nach einer Krebsbehandlung körperlich zu schonen. Heute sind sich die Experten einig: Krebspatienten profitieren in fast jeder Krankheitssituation davon, körperlich aktiv zu sein oder sich sportlich zu betätigen.

Schon lange weiß man aus verschiedenen Forschungen, dass Bewegung – lassen Sie uns das Wort Sport verkleinern, dann kann man sich ihm leichter nähern und damit leichter in Schwung kommen – einen positiven Einfluss auf viele Störungen im Alltag haben kann. Körperliche Aktivität mindert starke Erschöpfung; sie kann auch die Intensität von Depressionen lindern sowie ihnen vorbeugen. Außerdem bleibt man leistungsfähiger und beweglicher. Das Risiko von Schlaganfällen, vom Morbus Parkinson, von geistigem Abbau wird vermindert.

Körperliche Aktivität kann sogar bei chronischen Schmerzsyndromen zu einer Minderung der Symptomatik führen. Man weiß, dass die Sterblichkeit aktiver Personen gegenüber inaktiven Personen um rund ein Drittel bis ein Viertel vermindert wird. Es spricht also vieles für Bewegung.
 
Die richtige Art der Bewegung wählen

Aber wie verhält es sich nun mit Bewegung bei und nach Krebs? Lassen Sie uns es aufteilen:

Es gibt Menschen, die schon vor ihrer Krebserkrankung immer gerne Sport getrieben haben. Sie sind auf verschiedene Arten in Bewegung gewesen und möchten das jetzt, im Rahmen ihrer gerade erforderlichen Krebstherapie, fortsetzen. Das ist generell wunderbar – es gilt nur abzuwägen, welche Bewegung in Frage kommt, und welche Sportarten generell oder im speziellen Fall nicht in Frage kommen.
 
Direkt im Anschluss an Operationen erhalten die meisten Tumorpatienten im Krankenhaus gleich Krankengymnastik, die darauf angelegt ist, die Beweglichkeit zu erhalten und zu verbessern. Gleichzeitig schützt sie aber die frische Wunde, sodass es nicht zu Wundheilungsstörungen kommen kann. Dies sollte auf jeden Fall fortgesetzt werden.

Sonderfälle bei der Chemotherapie

Oft ist im Anschluss an eine Operation noch eine Chemotherapie erforderlich. Auch hier ist generell Bewegung möglich, allerdings gibt es einige Sonderfälle. Viele Patienten entwickeln unter der Chemotherapie eine Blutarmut. Diese bewirkt, dass die Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, weil weniger rote Blutkörperchen zum Sauerstofftransport da sind, also ist hier Zurückhaltung erforderlich.

Wenn es im Rahmen der Therapie zu einem Abfallen der weißen Blutkörperchen kommt, ist die Abwehrkraft des Patienten eingeschränkt. Er ist also anfälliger für Infekte. In dieser Situation ist das Meiden von Menschenansammlungen geboten – das heißt, der Sport in der Gruppe verbietet sich. Sollte ein Patient gar schon einen akuten Infekt und Fieber haben, ist Sport ausgeschlossen, um den Organismus nicht noch weiter anzustrengen.
 
Bei Strahlentherapie die Haut schützen

Bei einer Strahlentherapie ist immer wichtig, dass die Haut, die ja immer mit im Bestrahlungsfeld liegt, durch eine Sportart nicht geschädigt oder beansprucht werden soll. Auch gilt es, die Markierungen auf der Haut zu schützen, die ja die zuvor individuell angepasste Bestrahlungseinstellung markieren. Ansonsten sollte in dieser Situation auch immer der Strahlentherapeut gefragt werden, wenn Unsicherheiten bestehen.
 
Patienten mit Knochenmetastasen stehen eventuell in Gefahr, dass ein geschädigter Knochen brechen kann. Auch hier ist vor Aufnahme eines Sportprogramms immer mit den behandelnden Ärzten zu klären, ob vielleicht mehr Schaden als Nutzen angerichtet wird.
 
Patienten, die bereits durch die Therapie oder durch den Tumor viel Gewicht verloren haben, sollten keinen Ausdauersport betreiben, weil dies den Stoffwechsel aktiviert und damit ein weiterer Gewichtsverlust riskiert werden würde. Hier sind gezielte Bewegungsübungen sinnvoller.
 
Wissenschaftliche Studien weisen positive Effekte nach

Generell gibt es wissenschaftliche Studien, die untersuchen, ob und welchen Einfluss eine kontinuierliche körperliche Aktivität ¬– sei es reiner Muskelaufbau oder Ausdauertraining – auf die Durchführung einer Chemotherapie hat. Laut einer Studie, die im Juli 2015 im "Journal of Clinical Oncology" veröffentlicht wurde, verbessern Bewegung und Sport die Verträglichkeit einer Chemotherapie, weil weniger unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Darüber hinaus sind nach Angaben der Autoren weniger Unterbrechungen der Therapie erforderlich und die Patienten kehren rascher in ihren Alltag zurück. Nicht zuletzt haben Bewegungsprogramme erwartungsgemäß einen positiven Effekt auf Fitness, Muskelkraft, Lebensqualität, Stimmung, Erschöpfung und Immunabwehr.
 
Geringeres Risiko von Rückfällen bei manchen Tumorarten

Für wenige Tumorarten ließ sich bisher zeigen, dass regelmäßige Bewegung das Risiko von Rück¬fällen und Metastasen beeinflussen kann. In einer Studie mit Brustkrebspatientinnen nach den Wechseljahren zeigte sich, dass ihr Rückfallrisiko sich erhöht, wenn sie stark übergewichtig und körperlich wenig aktiv sind. Auch bei Studien mit inaktiven Patienten mit Darmkrebs zeigte sich, dass diese früher sterben als solche, die sich viel bewegen. Und in einer Studie mit an Prostatakrebs Erkrankten könnte sich vielleicht die Prognose verbessern, wenn sie sich regelmäßig be¬wegen. Ob ein Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Rückfallrisiko bei anderen Tumorarten besteht, ist noch nicht ausreichend erforscht.
 
Die Empfehlungen der verschiedenen wissenschaftlichen Fachgesellschaften sind unterschiedlich, die meisten sprechen von 5 mal 30 Minuten pro Woche im Alltag, wobei es Studien gibt, die darauf hinweisen, dass es eine Mischung aus Muskelaufbau und Ausdauersport sein sollte.
 
Wer dieses Pensum nicht schafft, sollte sich davon nicht abhalten lassen, etwas zu tun. Es ist immer noch besser, nur die Hälfte des Empfohlenen zu schaffen, als gar nichts zu tun.
 
Beratung und Unterstützung

Beraten und unterstützen lassen bei der Suche nach einem geeigneten Bewegungsangebot kann man sich in der Bremer Krebsgesellschaft. Ansprechpartnerin ist Maren Hoops unter Tel. 0421-4919222.

Wofür Sie sich auch entscheiden, wichtig ist: Es muss Ihnen Spaß machen! Sport und Bewegung holen Sie aus dem Teufelskreis von Krankheit, Depression und Vereinsamung – oder, wie es Joachim Ringelnatz ausdrückt:

Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine
Kürzt die öde Zeit
und er schützt uns durch Vereine
Vor der Einsamkeit.