Fast jeder wird im Laufe seines Lebens einmal an Kreuz- oder Rückenschmerzen leiden: Jede fünfte Krankschreibung geht den Zahlen der Krankenkassen zufolge auf das Konto dieser Volksleiden. Dies addiert sich auf rund 75 Millionen Krankheitstage pro Jahr.

Chronische Rückenschmerzen gehören damit zu den teuersten Gesundheitsstörungen in den westlichen Industrienationen. Den Großteil der Kosten machen indirekte Ausgaben aus, beispielsweise durch Arbeitsunfähigkeit oder vorzeitige Berentung.

Woher kommen die Kreuzschmerzen?

Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dahinter steckt eine große Bandbreite an Ursachen. In erster Linie sind es Muskelverspannungen, psychische Anspannung, Fehlhaltungen, ein schwaches Bindegewebe oder mangelnde Bewegung.

Sind Kreuzschmerzen gefährlich?

Gewöhnlich sind Kreuzschmerzen, die im Volksmund auch gerne Hexenschuss, Lumbago oder Ischias genannt werden, harmlos und müssen kein Grund zur Sorge sein. Auch starke Beschwerden sind kein Hinweis auf einen ernsthaften Schaden im Rücken. Mehr als 80 Prozent der Kreuzschmerzen sind unkompliziert.

Nur selten liegen ernsthafte Erkrankungen zugrunde. Hinweise darauf sind vorhergehende Verletzungen nach Unfall oder Sturz, Fieber, sich stark verschlimmernde Kreuzschmerzen, Lähmungserscheinungen, bekannte Osteoporose, bekannte Tumorerkrankung und ungeklärter Gewichtsverlust.

Was kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin tun?

Der Hausarzt ist meistens der erste Ansprechpartner bei Rückenschmerzen. Er sollte nach einer gründlichen Befragung und eingehenden klinischen Untersuchung entscheiden können, ob der Patient an unspezifischen, unkomplizierten, einfachen Kreuzschmerzen leidet oder ob wegen Hinweisen auf spezifische Ursachen oder wiederkehrenden Beschwerden weitere Untersuchungen notwendig sind. Er wird Sie beraten, informieren und zu Bewegung ermuntern. Darüber hinaus rät er Ihnen meist zur frühzeitigen Wiederaufnahme der üblichen Aktivitäten und der Arbeit.

Bei Bedarf wird Ihr Arzt eine Schmerzbehandlung anfangen. Wirksame Schmerzmittel sind z.B. Nichtopioide wie Paracetamol oder NSAR wie Ibuprofen. Auf Nebenwirkungen wie Funktionsstörungen der Leber, Niere, des Magens und Herzens ist dabei zu achten!

Weitere Verordnungen von Krankengymnastik und Massagen, die sogenannten passiven Maßnahmen, sind bei akuten Rückenschmerzen nicht notwendig. Injektionstherapien (Spritzentherapien) werden nicht empfohlen, insbesondere nicht bei Kreuzschmerzen, die weniger als vier Wochen dauern. Gezielte rückenmarksnahe Injektionen von Kortison oder örtlichen Betäubungsmitteln bleiben der fachärztlichen Behandlung vorbehalten und können nicht in Hausarztpraxen durchgeführt werden.

Wie lange dauern Rückenschmerzen?

Akute Kreuzschmerzen bessern sich meist nach vier bis sechs Wochen, so dass die meisten dann wieder in der Lage sind, ihrer täglichen Beschäftigung nachzugehen. Bei jedem fünften Patienten etwa bestehen weiterhin Beschwerden. Bleiben oder verschlimmern sich die Kreuzschmerzen trotz intensiver Therapie über einen Zeitraum von vier Wochen, sollten Risikofaktoren für chronische Verläufe erhoben werden. Die weitere Diagnostik und Therapie erfolgt dann gemeinsam mit Orthopäden, Neurologen, Neurochirurgen oder Psychotherapeuten.

Psychische, berufliche, familiäre und auch sogenannte iatrogene (durch die Behandlung ausgelöste) Faktoren sowie die Lebensweise spielen eine zunehmende Rolle im Krankheitsverlauf und können dazu beitragen, dass die Schmerzen chronisch werden. Deshalb sind vorbeugende Maßnahmen empfehlenswert.

Was können Sie selber tun, um vorzubeugen?

Mangelnde Bewegung oder einseitige Belastung, z.B. langes Sitzen oder Stehen, sind häufig Ursachen von Kreuzschmerzen. Um dem vorzubeugen, empfiehlt sich regelmäßige Bewegung. Radfahren oder Schwimmen wird gerne empfohlen, weil dabei ein großer Teil des Körpergewichtes von den Gelenken genommen wird. Wenn Sie Übergewicht haben, ist es auch sinnvoll abzunehmen. 

Allgemein gilt: Wenn man sich bei der Bewegung gut fühlt und keine Schmerzen hat, ist die Sportart geeignet. Allein ist das oft schwierig, deshalb ist der Anschluss an eine Sportgruppe empfehlenswert und es macht mehr Spaß. Dabei sind keine Höchstleistungen gefragt – wichtig ist, sich so oft wie möglich zu bewegen. Das gilt auch für ältere Menschen.

Haben Sie keine Angst vor Bewegung – eine Schonhaltung verschlimmert eher die Beschwerden! Training stärkt dagegen die Muskeln und Knochen. Es verbessert auch Ihre Beweglichkeit und Fitness – und damit Ihr Wohlbefinden. Denn anhaltendes Wohlbefinden ist das Ziel!