Zwischen dem 30. und dem 55. Lebensjahr geht es meistens los: Schmerzen in den Zehen oder anderen Gelenken deuten auf eine beginnende Gicht hin – eine Stoffwechselerkrankung, die auf einer hohen Konzentration von Harnsäure im Blut basiert. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Harnsäureerhöhung liegt für Männer bei 30 Prozent. Unter den Frauen sind nur rund 3 Prozent betroffen – bei ihnen treten die ersten Probleme meist erst nach dem Beginn der Wechseljahre auf.

Zu einer Harnsäureerhöhung kommt es oft im Zusammenhang mit einem sogenannten "metabolischen Syndrom". Dabei handelt es sich um ein gleichzeitiges Vorliegen von Übergewicht, Zuckererkrankung, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung.

Besonders schmerzhaft wird es, wenn sich Harnsäurekristalle in Gelenken, Nieren und Harnwegen ablagern. In diesem Fall spricht man von einer Gicht. Auslöser sind meist reichhaltiges Essen und/oder übermäßiger Alkoholgenuss, aber auch im Rahmen von Fastenkuren und unter manchen Medikationen und Therapien kann eine Gicht ausgelöst werden. Die Beschwerden beginnen häufig im großen Zeh. Da sich die Kristalle auch in den Nieren absetzen, kann eine unbehandelte Gicht zu Nierensteinen und anderen Schäden der Nieren führen.

Diagnose

Laboruntersuchungen können eine Erhöhung der Harnsäure nachweisen, aber auch ein Röntgenbild zeigt die typischen Kristallablagerungen. Wenn Nieren- oder Blasensteine aufgetreten sind, können diese ebenfalls auf eine Erhöhung der Harnsäure hin untersucht werden.

Allgemeine Empfehlungen

Die Harnsäure wird im Stoffwechsel des Menschen als Endprodukt des Abbaus sogenannter Purine gebildet. Purine entstehen im körpereigenen Stoffwechsel, werden aber zusätzlich mit der Nahrung aufgenommen, daher spielt die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Behandlung bzw. Vorsorge von Gicht.

Gewichtsreduktion

  • Wenn Sie Übergewicht haben, versuchen Sie Ihr Gewicht zu reduzieren. Eine Reduktion des Übergewichts führt oft schon allein zu einer Normalisierung des Harnsäurespiegels.

Puringehalt der Nahrung:

  • Bestimmte Lebensmittel wie Innereien, Fleisch, Wurst, bestimmte Fischarten und Krustentiere enthalten besonders viel Purine. Da der Harnsäurespiegel im Blut im gleichen Verhältnis wie die mit der Nahrung zugeführte Purinmenge ansteigt, bewirkt eine purinarme Ernährung eine Senkung des Harnsäurespiegels im Blut (125-150 mg Purine entsprechen 300mg Harnsäure). Die Aufnahme an Harnsäure sollte 500 mg pro Tag bzw. 3000 mg pro Woche nicht überschreiten. Bevorzugen Sie daher Lebensmittel mit einem niedrigen Purin- bzw. Harnsäuregehalt. Verzehren Sie nur kleine Fleisch- und Wurstportionen (nicht mehr als 100 g Fleisch oder Wurst am Tag) und möglichst nicht jeden Tag.
  • Essen Sie fünfmal am Tag 1 Portion Gemüse oder Obst, der Jahreszeit entsprechend, davon einen Teil auch als Rohkost. Die meisten Gemüse- und Obstsorten sind purinarm.
  • Beachten Sie bitte, dass schnellwachsende Gemüsesorten wie grüne Bohnen, Blumenkohl, Brokkoli sowie Hülsenfrüchte und Spinat den Harnsäurespiegel ansteigen lassen. Solche Gemüsesorten sollten an den mindestens drei fleischfreien Tagen pro Woche gegessen werden.
  • Getreideprodukte sind zu bevorzugen, Hefe und Hefeerzeugnisse sollten gemieden werden.
  • Kochen ist besser als Braten, weil die Purine beim Kochen aus der Nahrung austreten.


Trinkverhalten:

  • Trinken Sie mindestens 2 Liter täglich. Je mehr Harn die Nieren bilden, desto niedriger ist die Harnsäurekonzentration im Urin. Bevorzugen Sie kalorienfreie Getränke wie Mineralwasser, ungezuckerte Kräuter- und Früchtetees. Auch verdünnte Zitrussäfte sind erlaubt.
  • Vorsicht bei alkoholischen Getränken. Alkohol fördert die Harnsäurebildung und hemmt die Harnsäureausscheidung der Nieren. Gichtanfälle treten oft nach "durchzechten" Abenden auf.
  • Die in Kaffee, Kakao und schwarzem Tee enthaltenen Purine brauchen Sie bei normalen Mengen (2-3 Tassen/Tag) nicht zu berücksichtigen.
  • Süßstoffe wie Fruktose, Sorbit und Xylit sind in üblichen Mengen kein Problem.


Eine Tabelle mit Ernährungsempfehlungen können Sie hier als PDF herunterladen.