In den Medien ist immer wieder von der Unterversorgung mit Vitamin D die Rede – entsprechend häufig werden wir in der Arztpraxis darauf angesprochen. Gefragt wird beispielsweise, ob der Vitamin-D-Spiegel im Blut gemessen werden kann, ob das von der Krankenkasse bezahlt wird und ob diese auch ein Rezept über Vitamin D erstattet. Zu den letzteren beiden Fragen gibt es leider keine klaren Regeln, aber einige wichtige Grundsätze.

Die Untersuchung

Das Vorhandensein eines ausreichenden Vitamin-D-Spiegels kann tatsächlich problemlos im Labor getestet werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten in Höhe von rund 33 Euro allerdings nur bei begründetem Verdacht auf einen Mangel, beispielsweise wenn eine Osteoporose mit Knochenbrüchen festgestellt oder wenn über einen längeren Zeitraum Cortison eingenommen wurde. Auch Lebererkrankungen, Diabetes mellitus und Autoimmunerkrankungen sowie verschiedene weitere Krankheiten können einen begründeten Verdacht darstellen.

Wenn Patienten sich nur eingeschränkt bewegen können oder aufgrund von Hautkrebs das Sonnenlicht vollständig meiden, ist ein Test ebenfalls sinnvoll. Bei gesunden Menschen wird die Untersuchung hingegen nicht von der Kasse bezahlt.

Das Präparat

Vitamin D kann grundsätzlich auf Kassenrezept verordnet werden, allerdings nur in bestimmten Fällen. Dazu zählen unter anderem die Erkrankung an einer mit "manifesten" (mit Knochenbrüchen verbundenen) Osteoporose sowie schwerwiegende Funktionsstörungen der Nieren. Die Verordnung ist auch möglich, wenn andere Krankheiten vorliegen und mit Medikamenten behandelt werden, die zu einem Vitamin-D-Mangel führen – beispielsweise Cortisontherapien, die länger als sechs Monate dauern.

Der Vitamin-D-Mangel alleine genügt nicht als Erstattungsgrund, auch wenn er nachgewiesen wurde. In der Regel ist das Defizit ohnehin recht leicht zu beheben – durch regelmäßigen Aufenthalt an der frischen Luft.

Keine allgemeingültigen Grenzwerte

Eine Unsicherheit besteht unterdessen bereits in der Definition eines "Mangels". Die Wissenschaftler sind sich nicht einig, ab welcher Grenze der Vitamin-D-Spiegel so niedrig ist, dass er behandelt werden muss. Auch die Frage, ab welcher Höhe der Spiegel so hoch ist, dass er sich schädlich auswirkt, bleibt vorerst ungeklärt.

Fazit

Im Endeffekt sind die behandelnden Ärzte für die Entscheidung verantwortlich, ob einer der genannten Gründe für die Erstattung vorliegt oder nicht. Am preiswertesten und gesündesten ist es allerdings so gut wie immer, sich täglich 30 Minuten im Tageslicht aufzuhalten – es muss keine direkte Sonneneinstrahlung sein. Das Auftragen von Sonnenschutz reduziert den Effekt ein wenig, sollte allerdings natürlich trotzdem im Zweifelsfall nicht unterlassen werden, weil die Hautkrebsgefahr ansonsten deutlich steigt.

Übrigens werden dem Vitamin-D-Mangel in der Öffentlichkeit mittlerweile fast alle erdenklichen Symptome zugeschrieben – vermutlich als Folge des medialen Hypes. In den meisten Fällen werden diese vermuteten Zusammenhänge jedoch nicht von wissenschaftlichen Erkenntnissen gestützt.