Erkältungskrankheiten sind normal und gehören zu unserem Leben dazu. Unser Körper setzt sich ständig mit Keimen auseinander und so erkranken wir in einem langen Leben bis zu 200 mal an einer Erkältung, medizinisch grippaler Infekt genannt.

"Die Grippe" ist damit nicht gemeint. Die echte Virusgrippe, gegen die Sie sich jetzt impfen lassen können, ist eine schwerwiegende, teils lebensgefährliche Erkrankung, plötzlich auftretend mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl. Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken oder Menschen, die viel in Kontakt mit anderen sind (z.B. in sozialen und medizinischen Berufen) empfehlen wir diese Impfung. Auch wenn man/frau meint, "das haut mich nicht um", ist die Maßnahme sinnvoll, da die Ausbreitung der Grippe damit eingedämmt wird, und so Anfälligere wie Ältere, Kranke und Kinder geschützt werden.

Gegen die harmlosen, nichts desto trotz extrem lästigen Erkältungsviren nützt diese Impfung leider gar nichts. Hier gilt es sich mit vorbeugenden Maßnahmen zu schützen (Händewaschen, Abstand zu Hustern + Schnupfern halten, Abhärten mit Spaziergängen, evtl. Saunieren / Kneippsche Güsse, ausreichend frische Kost, und Lüften der Räume).

Aber was tun, wenn es Sie erwischt hat?

Ein alter Spruch sagt: Ohne Arzt dauert eine Erkältung 7 Tage und mit Arzt eine Woche. Und damit hat der Volksmund wieder mal Recht. Ursächlich machen gegen eine Erkältung können wir herzlich wenig. Der Körper setzt sich mit den Erkältungsviren auseinander und braucht dafür seine Zeit. Ein Antibiotikum wirkt nur gegen Bakterien und ist damit gegen die Viren nutzlos.

Was wir Ärzte/Innen machen können, ist einzuschätzen, ob es sich nur um eine harmlose Erkältung handelt (indem wir Sie z.B. abhorchen und den Mundraum inspizieren), Sie beraten und die Arbeitstätigen wenige Tage von der Arbeit befreien, damit Sie sich zuhause ausreichend pflegen und kurieren können.

Es gibt also kein schnelles Medikament gegen Erkältung und schon gar keins, das Sie am nächsten Tag wieder fit macht. Präparate, die das versprechen, bescheren anderen Gewinne und sind meiner Meinung nach nicht indiziert. Die lästigen Erkältungsbeschwerden können aber mit einfachen und preiswerteren Methoden gelindert werden. Hiervon möchte ich einige erinnern:

  1. Viel Trinken (2-3 Liter Tee/ Wasser) und viel Schlafen (Ausnahmen gelten natürlich für Menschen mit einer Trinkmengenbegrenzung wie z.B. bei Herzschwäche)
  2. Kein Sport, keine Sauna (Der Körper benötigt seine Kräfte zur Auseinandersetzung mit den Erregern. Sport und Sauna bedeutet eine zusätzliche Belastung und hilft nicht. Es kann sogar zu anhaltenden Organschäden kommen, wenn Sie sich hohe Leistungen abfordern)
  3. Viel Lutschen, z.B. Salbeibonbons, damit die Schleimhäute befeuchtet werden
  4. Für Erwachsene: Kopfdampfbäder. Entweder nur mit Wasser, oder Sie streuen Kamillenblüten hinein. Zum Abschwellen und Sekretlösen bei verstopften Nebenhöhlen und angeschwollenen Bronchien können in das gekochte Wasser auch (wenige!) Tropfen ätherisches Öl (Pfefferminz/ Myrtol/Menthol) gegeben werden. ACHTUNG: Ätherische Öle NIE bei Säuglingen oder kleinen Kindern anwenden! Auch wegen der möglichen Verbrühungsgefahr rate ich von Kopfdampfbädern für Kinder ab!
  5. Vollbäder, nur wenn kein Fieber vorhanden ist. Ein 20 minütiges Bad bei 38° C Wassertemperatur mit Erkältungsbadezusätzen wie Eukalyptusöl / Fichtennadelöl/Thymian/Menthol kann Gliederschmerzen lindern und löst Sekret in Nase und Bronchien. Auch hier gilt: Keinesfalls bei Säuglingen/Kleinkindern!
  6. Fußbäder. Ebenso gegen Gliederschmerzen und weniger kreislaufbelastend sind Fußbäder. Sie füllen eine Schüssel mit warmem Wasser und geben 5 Tropfen Fichtennadelöl hinzu. Füße rein und heißes Wasser zugeben bis 41 Grad erreicht sind. Dann Abtrocknen, warme Socken anziehen und ab ins Bett…
  7. Nasenspülung mit Salzwasser. In 0,2 Liter warmem Wasser eine Messerspitze Salz verrühren. Dieses durch die Nase ziehen. Das kann geschehen, indem man das Wasser aus der hohlen Hand oder einer Tasse einschnaubt (erst mit dem einen Nasenloch, dann mit dem anderen) oder eine Nasenspülkanne benutzt.
  8. Bei Verschleimung Zwiebeln: Es kann eine frische Zwiebelsuppe gekocht werden oder Sie machen sich einen Zwiebeltee: 1 Zwiebel in Scheiben schneiden, 5 min in ½ Liter Wasser kochen, über ein Sieb abgießen und heiß trinken. Wirkt desinfizierend und schleimlösend.
  9. Bei tiefsitzendem Schleim: Ein Tee aus Huflattich, Wollblume und Süßholz, mit kochendem Wasser aufgießen, 10 min ziehen lassen, 3 Tassen pro Tag trinken.
  10. Bei Reizhusten (trockener Husten): Spitzwegerich, gut in Hustenbonbons, als Hustensaft oder als Tee. Honig und Fenchelhonig (Vorsicht: Honig ist nicht für Kinder unter einem Jahr geeignet). Wer´s komplizierter mag: ein Tee aus Eibisch, Isländisch Mos, Anis, Fenchel und Lindenblüten bereiten, davon 3 Tassen pro Tag trinken.
  11. Bei produktivem Husten (es kommt Schleim): Tees mit Thymian.
  12. Bei spastischem Husten (krampfartig): Efeupräparate. Achtung! Verwenden Sie nur gekaufte Fertigpräparate. Efeu aus dem Garten nicht verwenden, da dieses schnell überdosiert und damit giftig ist!
  13. Bei Husten und Heiserkeit: Kartoffelwickel. Hierzu Pellkartoffeln kochen, zerdrücken, in ein dünnes Tuch, z.B. in ein Geschirrhandtuch geben, dieses in ein zweites Handtuch auf die Brust legen und 1 Stunde die Wärme einwirken lassen.
  14. Bei herannahender Erkältung: Versuch einer Schwitzkur mit Lindenblüten und Holunderblütentee. Vor dem Einschlafen trinken. Vielleicht bekommen Sie die Erkältung noch "abgebogen".
  15. Bei Halsentzündung: Gurgeln mit Salzwasser / abgekühltem Salbei- oder Kamillentee. Feucht halten der Schleimhäute durch Lutschen von Salbeibonbons oder Isländisch Mos. Bei starker Entzündung wirkt ein äußerlicher Quarkwickel um den Hals abschwellend und entzündungshemmend.
  16. Hühnersuppe: Wissenschaftlich nachgewiesen wirkt selbst gekochte Hühnersuppe (nicht aus der Dose/Tüte) gegen Erkältungskrankheiten!

Diese Liste könnte natürlich weiter fortgesetzt werden. Mein Anliegen war es aber, ein paar überschaubare und praktikable Tipps zu geben. Ich freue mich auch, wenn Sie mir Ihr Hausrezept beim nächsten Kontakt mitteilen.

Ich wünsche Ihnen gute Besserung!

Ihr Peer Thoma